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 Betreff des Beitrags: Ehrlichiose nicht nur im Mittelmeerraum
BeitragVerfasst: 4. Jul 2009 18:52 
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Ehrlichiose = tropische Panzytopenie der Hunde = Canine Rickettiose
von Dr. Monika Schubert-Hoss
1. Allgemeines

Ehrlichiose ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit der Hunde. Diese Krankheit tritt in Deutschland erst in den letzten Jahren auf. Dies ist die Folge der ständig wachsenden Reisetätigkeit, bevorzugt in Mittelmeer-Länder. Durch Mitnahme der Hunde in die oder aus diesen Reiseländern kommen erkrankte Tiere auch in deutsche Tierarztpraxen.

2. Erreger

Bei den Erregern handelt es sich um gramnegative Bakterien, die auf Grund ihrer geringen Größe und ihres Schmarotzens in Zellen des Wirtstieres, dem Hund lange als „große Viren“ bezeichnet und angesehen wurden.

Bei der Ehrlichiose kennt man 6 verschiede Erreger-Arten.

- E. canis
- E. platys
- E. ewingii
- E. ristici atypicalis
- E. equi
- Granulozyten parasitierende E.

Die ersten 3 Erreger sind medizinisch relevant, sie unterscheiden sich bezüglich ihres Siedlungsortes im Hund, d.h. welche Zellen sie befallen, der geschädigten Organe und ihrer geografischen Verbreitung. Im deutschen Sprachraum findet man am häufigsten die E. canis.

Die Ehrlichien sind südlich des 45. Breitengrades, besonders in den Ländern des Mittelmeerraums zu finden, aber auch in subtropischen und tropischen Ländern Afrikas, Asiens und Amerikas sind sie verbreitet.

Das Erreger-Reservoir sind Hunde, wilde Hunde (Kojoten, Wölfe, Schakale, Rotfüchse, Hyänenhunde) und Nager. Diese Tiere können die Erreger im Falle einer bestehenden Infektion über einen langen Zeitraum beherbergen.

Eine besondere Rasse-Disposition, das heißt besondere Anfälligkeit einer Hunderasse für diese Erkrankung wird diskutiert.
Insbesondere Deutsche Schäferhunde sollen häufiger und schwerer, meist sogar lebensbedrohlich erkranken.

Ein zusätzliches Erreger-Reservoir stellen Zecken dar, die bereits infizierte Hunde stachen und dadurch die Erreger in sich tragen (siehe dazu auch Kapitel „Überträger“).

3. Ansteckung

In den Ländern, in denen die Erreger verbreitet sind erfolgt die Ansteckung durch Zeckenbisse. Mit dem Speichel der infizierten Zecken gelangen die Ehrlichien in die Blutbahn des Hundes. Es besteht eine ganzjährige Ansteckungsgefahr, das Infektionsrisiko nimmt jedoch in den Sommermonaten mit steigender Zeckenzahl zu.

Außerhalb des typischen Verbreitungsgebietes kann eine Übertragung auch bei tierärztlichen Behandlungen durch Bluttransfusionen oder mit verunreinigten Kanülen stattfinden.
Des weiteren stellen eingeschleppte Zecken, die auch außerhalb ihres Verbreitungsgebietes eine lange Überlebensdauer besitzen, eine Ansteckungsgefahr dar.

4. Überträger

Der Überträger ist die braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus. Sie lebt in den Risikogebieten. Normalerweise trifft man sie in Deutschland nicht an,
sie wurde aber mit Tiertransporten und Lebensmitteln etc. eingeschleppt. Die Zecke kann in Wohnungen und Hundepensionen oder generell in geheizten Räumen bis zu einem Jahr überleben. Hier ist eine Übertragung der Ehrlichien von infizierten auf gesunde Hunde möglich. Also kann es auch in seltenen Fällen zu Infektionen bei Tieren kommen, die nie in Endemiegebieten waren.

Die Zecke infiziert sich selbst beim Saugen an kranken Tieren. Die Zeckenlarven übertragen die Erreger auf nachfolgende Entwicklungsstadien (Nymphen und erwachsene Zecken). Nach dem Saugen gelangen die Erreger in den Verdauungstrakt und die Speicheldrüse der Zecke. Infizierte, erwachsene Zecken bleiben 155 Tage und länger ansteckend.
Die Erreger werden nicht auf die Zeckeneier und somit nicht auf die neue Zeckengeneration übertragen.

Neben der Ehrlichiose können die Zecken auch andere, sogenannte Reisekrankheiten wie Babesiose und Hepatozoon canis übertragen.
Eine Erregerweitergabe über den Kot der Zecke erfolgt nicht.

5. Inkubationszeit

Die Inkubationszeit beträgt 8 bis 20 Tage.

6. Symptome (Krankheitsanzeichen und Verlauf)

Die Krankheit verläuft in 3 Phasen.

Phase 1

Mit dem Zeckenspeichel gelangen die Erreger ins Blut des Hundes und suchen sich je nach Erregerart unterschiedliche Blutzellen als Wirtszellen.

E. canis und E. ristici - Monozyten (weiße Blutkörperchen)
E. platys - Thrombozyten (Blutplättchen / Blutgerinnung)
E. equi - Granulozyten

In den befallenen Wirtszellen vermehrt sich der Erreger. Zunächst kommt es zu einer Verdrängung des Zellkerns an den Rand, danach zur Zerstörung der Zelle und auf diesem Weg zur Infektion weiterer Blutzellen.

E. canis benötigen die Monozyten als „Transportmittel“ in verschiedene Organe, in die sie alleine nicht eindringen könnten. Monozyten sind als Teil des weißen Blutbilds in der Lage, Blutgefäße zu verlassen und in innere Organe zu migrieren. Die Folge sind Gefäßentzündungen, innere und äußere Blutungen und Organschwellungen.

In dieser ersten Phase kommt es nur zu unspezifischen Krankheitsanzeichen. Hohes, wiederkehrendes Fieber, Fressunlust, Gewichtsverlust und blasse Schleimhäute (Anämie).
Die Anzahl der weißen Blutkörperchen und Blutplättchen sinkt.

Phase 2

Es schließt sich eine zweite, subklinische Phase an. Diese dauert zwischen 40 Tagen und mehreren Jahren. In dieser Zeit erfolgt entweder die spontane Ausscheidung des Erregers (= Heilung) oder es kommt zum dauerhaften Festsetzen des Erregers im Organismus (maximal 5 Jahre).

Die Hunde sind meist unauffällig, fressen schlecht und nehmen ab. Sie stellen eine Ansteckungsgefahr für gesunde Tiere dar.

Phase 3

Wird der Erreger in Phase 2 nicht aus dem Körper ausgeschieden, kann es zur chronischen Phase kommen. Knochenmarksveränderungen führen zu einer milden bis schweren Verlaufsform.

Ein milder Verlauf bringt Lustlosigkeit und Müdigkeit, Appetitmangel, Abmagerung, Milz- und Lymphknotenschwellungen. Verdächtig für Ehrlichiose ist das Auftreten von Nasenbluten, Hautblutungen und Gliedmaßenödeme (Wasseransammlungen in den Beinen).

Bei der schweren Verlaufsform treten oben genannte Symptome auf, zusätzlich sind innere Organe betroffen. Es laufen autoimmune Prozesse ab, körpereigene Strukturen werden so verändert, dass sie vom Körper als fremd erkannt und vom eigenen Abwehrsystem bekämpft werden.

Seltene schwere Fälle führen zur Veränderung der Augenfarbe und zum Erblinden. Bei E. canis und E. ewingii können Gehirn- und Gehirnhautentzündungen zu epileptischen Anfällen und Bewegungsstörungen führen.
Weiterhin werden Muskelentzündungen, -schwäche und –schwund mit Gelenkschmerzen beobachtet.

7. Diagnose

Da die Ehrlichiose in Deutschland selten vorkommt und die Symptome bei vielen anderen Krankheiten ebenfalls auftreten, ist jeder Hinweis beim Tierarzt/ Tierärztin auf eigene Urlaubsreisen, Reisen eventueller Vorbesitzer oder Herkunft aus Tierheimen (Tierrettung aus dem Mittelmeerraum) wichtig.
Durch die lange Zeit, die zwischen Infektion und Ausbruch der chronischen Erkrankung liegt, müssen auch weit zurückliegende Ereignisse vom Tierarzt hinterfragt und vom Tierbesitzer genannt werden.

Bei Hunden, die nach einem Auslandsaufenthalt mit oben genannten Symptomen beim Tierarzt/Tierärztin vorgestellt werden, handelt es sich meist um bereits chronisch erkrankte Tiere.
Besteht der Verdacht muss eine Blutuntersuchung durchgeführt werden.
Dazu wird Blut entnommen und das Serum in ein veterinärmedizinisches Labor eingeschickt. Ca. 14 Tage nach Ausbruch der Infektion können bereits Antikörper im Blut nachgewiesen werden (indirekter Erreger-Nachweis).
Dazu bieten die Labore auch sogenannte „Reiseprofile“ an, bei denen gleichzeitig auf weitere „Reisekrankheiten“ untersucht wird.
Dazu gehören:

- Leishmaniose
- Babesiose
- Hepatozoonose
- Dirofilarien (Herzwurm)

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Blutausstriche mit einer bestimmten Methode anzufärben, um den Erreger direkt nachzuweisen. Dieser direkte Nachweis ist jedoch nur in der ersten Krankheitsphase möglich, bevor die Erreger mit den Blutzellen in die Organe einwandern. Er ermöglicht auch die Differenzierung des Erregers.

8. Behandlung

Zur Behandlung wird ein bestimmtes Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline, das sogenannte Doxycyclin verwendet.
Es muss mindestens 10, besser 21 Tage lang verabreicht werden. Schon innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden tritt in den meisten Fällen eine Besserung ein.
Bei schwerwiegenden Fällen sind Bluttransfusionen unterstützend notwendig, um die Zeit bis zur ausreichenden, körpereigenen Blutzellen-Bildung zu überbrücken.
Zusätzliche, kurzzeitige Gaben von Kortison fördern den Heilungsprozess. Zur Stimulierung der Knochenmarks-Aktivität (Nachbildung von Blutzellen) werden zum Teil Anabolika gegeben.
Starkes Nasenbluten kann durch spezielle Nasentropfen zum Stillstand gebracht werden.
Homöopathische Präparate und Vitamin B können den Heilungsprozess unterstützen.

9. Prophylaxe

Da Hunde aus unseren Regionen besonders empfänglich für Ehrlichiose sind, sollten sie, wenn möglich, nicht ins südliche Ausland mitgenommen werden. Wer seinen Vierbeiner aber mitnehmen will oder muss, sollte ihn durch spezielle, nur beim Tierarzt erhältliche, Zeckenhalsbänder schützen.
Eine weitere Möglichkeit der Vorbeugung sind die sogenannten „Spot on´s“. Hierbei wird ein Zeckenabwehr-Mittel mittels Ampulle(n) auf den Körper aufgetragen.
Trotzdem sollten die Hunde jeden Tag gründlich auf Zecken abgesucht werden. Bereits festgesaugte Zecken müssen sofort mit einer speziellen Zange entfernt werden. Teilweise wird auch die Gabe des Antibiotikums Doxycyclin einmal täglich während des gesamten Aufenthalts empfohlen.

10. Ansteckungsgefahr für Menschen

Menschen können durch Ehrlichiose-Erreger in endemischen Gebieten auch nur über Zecken angesteckt werden. Direkte Infektionen durch den Hund spielen keine Rolle.


Quelle: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

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liebe grüße,
marie anne


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BeitragVerfasst: 12. Jul 2009 11:36 
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8. Behandlung

Zur Behandlung wird ein bestimmtes Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline, das sogenannte Doxycyclin verwendet.
Es muss mindestens 10, besser 21 Tage lang verabreicht werden. Schon innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden tritt in den meisten Fällen eine Besserung ein.
Bei schwerwiegenden Fällen sind Bluttransfusionen unterstützend notwendig, um die Zeit bis zur ausreichenden, körpereigenen Blutzellen-Bildung zu überbrücken.
Zusätzliche, kurzzeitige Gaben von Kortison fördern den Heilungsprozess. Zur Stimulierung der Knochenmarks-Aktivität (Nachbildung von Blutzellen) werden zum Teil Anabolika gegeben.
Starkes Nasenbluten kann durch spezielle Nasentropfen zum Stillstand gebracht werden.
Homöopathische Präparate und Vitamin B können den Heilungsprozess unterstützen.


Die Gabe von Doxycyclin sollte mindestens 28 Tage erfolgen. Und es ist darauf zu achten dass ein Doxycyclinhyclat kein -hydrat verwendet wird.
Diese Tabletten müssen bei der Gabe gut verpackt sein, am besten in Hühnermägen. Und die Dosierung sollte pro kg Hund 10 mg (40 kg Hund = 400 mg) 2 x täglich betragen. Das Mittel zur Wahl beim Hund ist Ronaxan.

Es empfiehlt sich gleichzeitig Ulcogant oder ein anderes Mittel zum Schutz der Magenschleimhaut zu geben.

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Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk, das nicht minder bindende moralische
Verpflichtungen auferlegt als die Freundschaft zu einem Menschen. Konrad Lorenz


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